Aussehen und Sozialstruktur

Der Wolf – ein Familientier

Graues Fell, dreieckige Ohren, breiter Schädel, lange Beine: Der Wolf ist die größte Art in der Familie der Hunde. Als Jäger kann er ausgesprochen gut sehen, riechen und hören, und sein Körperbau ist der eines ausdauernden Läufers: Im Trab kann er kilometerweit durch sein Territorium streifen, ohne zu ermüden.

Und trotz des Bildes vom einsamen Wolf ist er kein Einzelgänger, sondern ein Familientier und lebt im Rudel: Ein Elternpaar bleibt in der Regel lebenslang zusammen und besetzt ein gemeinsames Territorium. Drei bis acht Welpen bringt eine Wölfin (die Fähe) dort jedes Jahr zur Welt.

Die meisten Wölfe verlassen das Territorium ihrer Eltern im Alter von 10 bis 22 Monaten und begeben sich auf die Suche nach einem eigenen Territorium sowie einem eigenen Partner oder einer Partnerin.

Verbreitung und Monitoring

Wo in Deutschland leben Wölfe?

Seit sich Wölfe wieder in Deutschland angesiedelt haben, beobachten Expertinnen und Experten in den Bundesländern, wo sie sich aufhalten und wie sie sich verbreiten. Im Rahmen des sogenannten Wolfsmonitorings werden zum Beispiel Fotofallen aufgestellt, genetische Analysen vorgenommen oder Spuren ausgewertet.

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf fasst die Daten aus den Bundesländern zusammen, die Expertinnen und Experten des Bundes und der Bundesländer werten sie aus.

Die Qualität der Hinweise gliedert sich in drei Kategorien: Zu C1 gehören eindeutige Hinweise wie Lebendfang, genetische Nachweise oder Fotos; zu C2 zählen bestätigte Hinweise, zum Beispiel Spuren, die Expertinnen und Experten entdeckt haben; und C3 sind unbestätigte Hinweise, also zum Beispiel Sichtungen oder Spuren, die nicht eindeutig einem Wolf zugeordnet werden können. C3-Hinweise werden bei der Zählung daher nicht berücksichtigt.

Das Piktogramm zeigt ein abstrahiertes Tiergerippe und einen Knochen.

Risse

Risse von wilden Huftieren oder Nutztieren gelten als eindeutiger Hinweis (C1), wenn eine genetische Analyse dies bestätigt. Als bestätigter Hinweis (C2) gelten sie, wenn der Kadaver gut erkennbar typische Merkmale eines Wolfsangriffs aufweist, jedoch keinerlei wolfsuntypische Verletzungen.

Das Piktogramm zeigt zwei Hände, die ein Smartphone halten. Im Hintergrund ist der Umriss eines Wolfes zu sehen.

Sichtbeobachtungen und Hinweise Dritter

Wird ein Wolf gesichtet und fotografiert oder gefilmt, ist dies ein eindeutiger Hinweis (C1), wenn das Tier möglichst vollständig sichtbar oder eindeutig identifizierbar ist und von einer erfahrenen Person als Wolf identifiziert wurde. Ohne Aufnahme zählt die Sichtung als unbestätigter Hinweis (C3).

Eine abstrahierte Fotofalle, die an einem Baumstamm befestigt ist.

Fotofallenfotos/-video

Damit ein Foto oder Video als eindeutiger Hinweis (C1) gilt, muss der Wolf möglichst vollständig von der Seite oder von vorn zu sehen sein. Größe, Zeichnung und Proportionen des Körpers, mindestens der Kopf müssen klar abgebildet sein.

Digitalisierung

Digitale Hilfsmittel wie Kamerafallen, Funksender mit GPS und digitale Datenbanken unterstützen das Wolfsmonitoring. Sie bilden die Basis geografischer Informationssysteme, die die Lebensräume der Wölfe darstellen: Kartensysteme veranschaulichen beispielsweise Wolfsterritorien oder Totfunde von Wölfen und deren Ursachen in Deutschland (zum Beispiel infolge von Verkehrsunfällen). Auf der Internetseite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DDBW) sind diese Daten öffentlich zugänglich: https://www.dbb-wolf.de/die-dbbw

Speiseplan

Der Wolf – ein Raubtier

Der Wolf ist ein Fleischfresser. Zwischen zwei und fünf Kilogramm Fleisch braucht er pro Tag. Ganz oben auf seinem Speiseplan stehen Rehe, Rotwild und Wildschweine: Mit über 98 Prozent machen Wildtiere den Großteil seiner Beute aus. Damit übernimmt er eine wichtige Funktion im Ökosystem. Wölfe jagen und erlegen die Tiere, die sie am leichtesten erbeuten können. Das sind vor allem Jungtiere, aber auch alte, kranke und schwache Tiere.

Dabei reißt der Wolf nur selten Nutztiere: Diese machten in Deutschland im Zeitraum 05/2001 bis 04/2019 ca. 1,6 Prozent seiner Ernährung aus (bezogen auf Biomasseanteile in der Nahrungszusammensetzung der Wölfe). Von Menschen halten sich nach internationalen Studien Wölfe in der Regel fern – es sei denn, sie werden provoziert, über Futter angelockt oder sind krank.

Mensch und Wolf

Nebeneinander von Mensch und Tier

Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt. Und er soll bleiben. Daher ist er auf deutscher wie auf europäischer Ebene durch Gesetze geschützt. Gleichzeitig stellt er die Menschen vor Herausforderungen. So ist der Anteil an Nutztieren in seinem gesamten Speiseplan zwar sehr gering. Dennoch können Schäden für Weidetierhalterinnen und -halter entstehen.

Risse von Weidetieren gibt es vor allem in Regionen, wo der Wolf erst seit Kurzem wieder heimisch ist und Halterinnen und Halter sich noch nicht auf die neue Situation eingestellt haben. Auch in der Bevölkerung gibt es bedingt durch teils unsachliche Berichterstattung zum Teil Unsicherheit, was das Verhalten des Wolfes angeht.

Um Interessenskonflikten vorzubeugen und die Akzeptanz für die zurückkehrenden Wölfe zu erhöhen, werden Tierhalterinnen und -halter bei der Finanzierung von Präventivmaßnahmen unterstützt. Die Zahl der Risse sinkt beispielsweise deutlich durch Maßnahmen wie Herdenschutzzäune oder Herdenschutzhunde. Die Kosten für diese Herdenschutzmaßnahmen können die Länder bis zu 100 Prozent erstatten, im Jahr 2020 sind dafür über 9,5 Mio. Euro geflossen.

Entstehen Tierhalterinnen und -haltern trotz etablierter Präventionsmaßnahmen Schäden, erhalten sie Ausgleichzahlungen. Zudem informiert die Bundesregierung über den Wolf, um dem Menschen die Lebensweise des Wolfs näherzubringen, und gibt Hilfestellung: Sie erstellt Handlungsempfehlungen, forscht zum Wolf und unterstützt die Länder im Wolfsmanagement.

Schutz von Mensch und Wolf

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