Wege eines Smartphones

In Einzelteilen um die Welt

Die meisten Smartphones haben bereits einen weiten Weg zurückgelegt, bevor wir sie in Händen halten. So ist ein Smartphone zum Beispiel in Südkorea oder den USA entwickelt worden, seine Rohstoffe kommen jedoch aus Ländern wie Peru oder Ghana, einzelne Komponenten wurden vielleicht in China, der Rest in Malaysia zusammengebaut. Schließlich wird es in den Handel nach Deutschland gebracht, wo es seine Nutzer erreicht. Sie behalten es bis zum nächsten, moderneren Smartphone. Das alte landet in der Schublade oder wird – im besten Fall – woanders wiederverwendet oder ins Recycling gegeben.

Herstellungskosten

Der wahre Preis des Smartphones

Für die Herstellung von Smartphones zahlen Mensch und Umwelt einen hohen Preis. Es beginnt bei den Rohstoffen, die oft besonders selten und wertvoll sind: Um an Metalle zu gelangen und Abbaustätten anzulegen, werden häufig Lebensräume wie Wälder und Gewässer zerstört, Urwälder gerodet oder Gesteinsformationen gesprengt. 

Handybestandteile wie Gold oder Kobalt werden meist unter hohem Energieaufwand beispielsweise in Ländern wie Peru oder Kongo abgebaut. Bei der Gewinnung der Metalle werden oft giftige Substanzen verwendet oder freigesetzt und Schwermetalle gelangen in Luft und Wasser. Sie machen Böden unfruchtbar und führen zu Vergiftungserscheinungen bei Menschen. Tier- und Pflanzenarten werden bedroht. 

Auch die Produktion eines Smartphones ist ressourcenintensiv und belastet die Umwelt: Je komplexer das Gerät, desto größer die nötigen Energiemengen. Die Folge: ein erhöhter Bedarf an Kohle und anderen schmutzigen Energieträgern in Produktionsländern wie China. Besonders die Herstellung von Chips und Halbleiterplatten schlägt zu Buche: Sie verursacht 40–50 Prozent der Umweltbelastung in der Produktionsphase – zum Beispiel durch hohen Energieverbrauch und Chemikalieneinsatz. Die elektronischen Komponenten kommen vornehmlich aus Südostasien nach Nordeuropa. Auf ihren Transport entfallen 18–25 Prozent der Umweltbelastung.

Nicht zuletzt verursacht die Produktion auch soziale Probleme. Beim Abbau der Rohstoffe und bei der Produktion der Geräte fehlen oft grundlegende arbeitsrechtliche Standards. In manchen Problemregionen findet der Abbau von Rohstoffen zum Teil unter unmenschlichen und gefährlichen Bedingungen statt. Auch in vielen Fabriken, in denen die Geräte zusammengesetzt werden, wird gegen ganz grundlegendes Arbeitsrecht verstoßen: Viele Beschäftigte besitzen keinen Arbeitsvertrag und können ihren Lebensunterhalt bei sehr niedrigen Löhnen nur durch Mehrarbeit bestreiten.

Designlösungen

Hoher Nutzen durch ein langes Leben

Es gibt Möglichkeiten, die hohen Umwelt- und sozialen Kosten der Smartphone-Produktion zu verringern, zum Beispiel durch den Einsatz fair gehandelter Rohstoffe, erneuerbarer Energien oder umweltverträglicherer Materialien. Ein besonders wichtiger Hebel ist, den hohen Kosten eine lange Lebensdauer gegenüberzustellen. Also: ein Smartphone möglichst lange verwendbar zu machen und zu nutzen. Aktuell ist allerdings nur gut jedes zehnte privat genutzte Smartphone älter als zwei Jahre.

Die Gründe für ein neues Smartphone sind vielfältig: Es gibt zum Beispiel für das alte keine Updates mehr, die Kamera ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, Speicherplatz fehlt oder der Akku will nicht mehr. Da einzelne Komponenten in der Regel nicht austauschbar sind, muss ein komplett neues Smartphone her. Das alte kommt weg – und mit ihm die gesamte Wertschöpfung des Produktionsprozesses: 124 Millionen Handys lagerten 2018 in deutschen Schubladen. 

Die Lösung beginnt hier schon beim Design: Ein Smartphone sollte bereits bei der Herstellung langlebig konzipiert sein, also so, dass einzelne Komponenten reparierbar, austauschbar und auch recyclingfähig sind. Zudem sind lange verfügbare Updates wichtig, damit die Hardware so lange wie möglich genutzt werden kann. Und Reparaturanleitungen unterstützen sowohl die Nutzerinnen und Nutzer als auch Reparaturbetriebe. Verbraucherinnen und Verbraucher können beim Kauf darauf achten und zu langlebigen Produkten greifen.

Innovationspotenzial

Der Bundespreis Ecodesign, der vom Bundesumweltministerium sowie dem Umweltbundesamt gefördert wird, zeichnet jedes Jahr Produkte aus, deren Design besonders nachhaltig ist. 2018 war das Smartphone „Shift 6m“ unter den Preisträgern, dessen Konzeption auf eine möglichst lange Lebensdauer ausgelegt ist: Der Speicher ist erweiterbar, und den Akku kann man einfach austauschen. Reparaturen können die Nutzerinnen und Nutzer selbst vornehmen: Es gibt Ersatzteile sowie Anleitungen. Des Weiteren achtet der Hersteller auf faire Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit.

Kreislaufführung

Nach dem Nutzen ist vor dem Nutzen

Besonders schonend für Mensch und Umwelt ist es, das eigene Smartphone lange zu nutzen. Vielleicht lässt sich ein defektes Gerät noch einmal reparieren. Doch was, wenn es wirklich Zeit ist für ein neues Gerät? Hier gilt: Nach der Nutzung ist vor der Nutzung. Vielleicht gibt es jemanden, der das Smartphone noch verwenden kann? Ansonsten sollte es zu einer Sammelstelle am Wertstoffhof oder im Handel gegeben werden, damit seine Bestandteile aufbereitet und recycelt werden können – zum Beispiel für die Herstellung neuer Smartphones.

Um das zu ermöglichen, sind die Hersteller gefragt. Sie sollten Geräte so konzipieren, dass sie einfach recycelt werden können. Verbraucher*innen können zudem bereits beim Kauf darauf achten, wie lange der Hersteller Software-Updates zur Verfügung stellt, wie gut er über die Umweltwirkung seiner Produkte informiert oder was er tut, um Umweltschäden zu vermeiden. Die Politik fördert durch Gesetze und Programme wie das Elektro- und Elektronikgerätegesetz und das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm Kreislaufführung und Ressourceneffizienz.

Digitalisierung

Smartphones verursachen hohe Umweltkosten und sollten daher reparierbar sein, lang genutzt und nach ihrer Nutzung recycelt werden. Sie können aber auch dabei helfen, die Umwelt zu schützen: Mittlerweile gibt es zahlreiche Apps, die zum Beispiel zeigen, wo sich die nächste Sammelstelle für Elektro-Geräte befindet, wie der eigene ökologische Fußabdruck aussieht oder wie man anderweitig zum Umweltschutz beitragen kann.

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