Fast Fashion

Kurze Freude zum kleinen Preis

Die globale Kleidungsproduktion hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt. Große Modeketten bringen mitunter mehr als 20 Kollektionen pro Jahr in die Geschäfte. „Fast Fashion“ heißt die immer kürzere Zeitspanne zwischen den Kollektionen. Jede*r Deutsche kauft durchschnittlich rund 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr – wobei 40 Prozent der gekauften Kleidung nie oder nur selten getragen wird. Und jedes Bekleidungsstück, das gekauft und nach kurzer Zeit aussortiert wird, belastet die Umwelt unnötig.

Folgen für die Umwelt

Viel Wasser, viel Chemie, viel Abfall

Unsere Kleidung besteht aus Naturfasern, wie beispielsweise Baumwolle, und aus Chemiefasern. Letztere machen über 70 Prozent des Weltfasermarkts aus. Zu den Chemiefasern zählen etwa Polyester, Polyamid und Polyacryl. Die Herstellung von Chemiefasern verbraucht jährlich etwa 0,8 Prozent des weltweit geförderten Erdöls und belastet die Umwelt durch Lösemittel, Abwässer sowie einen hohen Energiebedarf. Zudem gelangen durch das Waschen der Chemiefasern allein in Deutschland geschätzt bis zu 400 Tonnen Mikropartikel jährlich zunächst ins Abwasser und später in Flüsse und Meere.

Doch nicht nur die Produktion von Chemiefasern belastet die Umwelt, wie die folgende Bildergalerie zeigt.

Die Illustration zeigt ein Baumwollfeld, das künstlich überflutet wird.

Wasser

73 Prozent der weltweiten Baumwollernte kommen von Anbauflächen, die künstlich bewässert werden müssen. Ein Kilogramm konventioneller Baumwolle benötigt bis zur Ernte etwa 200 Badewannen voll Wasser.

Eine Alternative ist Bio-Baumwolle: Sie wird ohne giftige Chemikalien angebaut, schädigt den Boden nicht, verbraucht 91 Prozent weniger Wasser und 62 Prozent weniger Energie. Allerdings macht sie derzeit nur etwa ein Prozent der weltweiten Produktion aus. Dass Biotextilien im Geschäft in der Regel wesentlich teurer sind als solche aus konventioneller Baumwolle, liegt vor allem daran, dass die Handels- und Vertriebswege weniger ausgebaut sind als die von konventioneller Baumwolle. Das heißt, je mehr Menschen sich für Kleidung aus Bio-Baumwolle entscheiden, desto günstiger ist sie zu haben.

Auch das, was mit aussortierter Kleidung passiert, muss betrachtet werden. Weltweit wird weniger als ein Prozent des für die Textilproduktion eingesetzten Materials erneut für die Herstellung von Kleidung verwendet. Rund 80 Prozent der global anfallenden Altkleider werden verbrannt oder landen auf Deponien. Etwa 20 Prozent durchlaufen einen Prozess, der „Downcycling“ genannt wird. Dabei werden aus Altkleidung qualitativ geringwertigere Produkte wie zum Beispiel Putzlappen oder Dämmstoffe hergestellt.

Innovationspotenzial

Textilien lassen sich meist nur recyceln, wenn die Materialien zuvor sortenrein getrennt werden. Wieland Textiles und das Laserzentrum Hannover entwickelten mit Partner*innen eine Sortiertechnologie, die gebrauchtes Textilmaterial nach Faserzusammensetzung und Farbe trennen kann. Diese Sortierung nach Farbe erspart spätere umweltschädliche Bleiche oder Nachfärbung vor der weiteren Nutzung.

Soziale Folgen

Der Preis, den andere zahlen

Dass wir es uns leisten können, viel Kleidung zu kaufen und kaum zu tragen, liegt auch an den niedrigen Preisen. Denn unsere Kleidung kommt aus den Ländern, in denen ihre Herstellung am wenigsten kostet. Rund 60 Prozent aller 2020 nach Deutschland eingeführten Jeans stammen aus Bangladesch und Pakistan. Die Arbeitsbedingungen und Löhne dort sind vielfach unzumutbar. Meistens sind es Frauen, die bis zu 16 Stunden am Tag für nicht existenzsichernde Niedriglöhne arbeiten. Der „Fast Fashion“-Trend trägt dazu bei, dass diese Bedingungen erhalten bleiben.

Soziale Gerechtigkeit

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1.000 Toten gründete das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Bündnis für nachhaltige Textilien. Das Bundesumweltministerium ist Mitglied im Steuerungskreis, dem höchsten Entscheidungsgremium. Die Mitgliedsunternehmen wollen gemeinsam mit Vertreter*innen der Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Standardorganisationen die Bedingungen in der weltweiten Textilproduktion verbessern – von der Rohstoffproduktion bis zur Entsorgung. Rund die Hälfte des deutschen Textil-Einzelhandels ist darin vertreten.

Kreative Lösungen

Gut für Menschen und Umwelt

Es gibt bereits eine Vielzahl von Modelabeln und Designer*innen, die nachhaltige Mode anbieten. Die Bundesregierung möchte den nachhaltigen Konsum noch weiter ausbauen und verabschiedete deshalb 2016 ein entsprechendes nationales Programm für nachhaltigen Konsum. In diesem Rahmen fördert sie die Erforschung und Nutzung von Fasern aus nachhaltig erzeugten Rohstoffen, zum Beispiel Viskose aus zertifiziertem Holz, sowie den Einsatz umweltschonender und gesundheitlich unbedenklicher technologischer Innovationen, zum Beispiel PFC-freie Materialien, Recyclingfasern oder pflanzlich gewonnene Fasern. Viele Bemühungen zielen darauf, verbindliche Standards zum Schutz der Umwelt und der Beschäftigten durchzusetzen.

Mit der 2020 eingeführten sogenannten Obhutspflicht schafft das Bundesumweltministerium eine rechtliche Grundlage, um gegen die Vernichtung von noch gebrauchsfähiger Ware vorzugehen: Sind Produkte z. B. aus Retouren voll funktionsfähig, sollen sie weiter genutzt werden. Auf dieser Grundlage können konkrete Regelungen erlassen werden. In einem ersten Schritt soll durch eine Berichtspflicht eine verlässliche Datengrundlage geschaffen werden, um Ausmaß und Gründe der Vernichtung von Überhängen und Retouren transparent zu machen. Das Bundesumweltministerium klärt zudem darüber auf, woran sich nachhaltige Mode beim Kauf erkennen lässt.

OEKO-TEX®-Siegel

Das OEKO-TEX®-Siegel kennzeichnet garantiert schadstofffreie Textilprodukte, die umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellt wurden.

GOTS-Siegel

Das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) tragen Textilien, die zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen.

bluesign®-Siegel

Outdoorkleidung mit dem bluesign®-Siegel wurde zu mindestens 90 Prozent in zertifizierten Fabriken mit geringen Umwelteinflüssen verarbeitet.

Digitalisierung

Ein „digitaler Produktpass“ für Mode kann Daten zum gesamten Produktionsprozess beispielsweise über eine Online-Plattform verfügbar machen, sodass die einzelnen Schritte im Produktlebenszyklus jederzeit lückenlos nachvollziehbar sind.

Ganz mein Stil

Lieblingsstücke, die bleiben

In den Geschäften ist immer mehr Kleidung mit Siegeln erhältlich, die Umwelt- und Sozialstandards garantieren. Sowohl der Absatz als auch der Umsatz von Bekleidung mit Fairtrade-Siegeln ist in Deutschland insbesondere seit 2017 rasant gestiegen. Einige dieser Siegel garantieren zudem bessere Gebrauchseigenschaften, wie zum Beispiel der Blaue Engel. So bleibt die Kleidung länger nutzbar, spart Geld und schont Ressourcen.

Bisher sortiert jede*r zweite Deutsche Oberteile und Hosen nach spätestens drei Jahren wieder aus. Würden wir unsere Kleidungsstücke nur neun Monate länger tragen, wären die schädlichen Umweltwirkungen schätzungsweise bis zu einem Drittel geringer.

Nach dem Aussortieren ist Kleidung noch lange kein Abfall. Über Kleidertausch und Secondhand-Verkauf finden sich beispielsweise schnell die nächsten Träger*innen. Einmalig benötigte Festgarderobe lässt sich mieten, und im Internet finden sich viele Ideen für kreatives Upcycling (d. h. Aufwertung durch Umwandlung in neue Produkte).

Lieblingsstücke leben zudem generell länger, wenn sie so selten wie möglich gewaschen werden. Und sollte ein liebevoll gepflegtes Stück doch nicht mehr passen, lässt es sich guten Gewissens verschenken oder vertrauenswürdigen Organisationen wie Oxfam oder dem Deutschen Roten Kreuz spenden.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Dann teilen Sie ihn gern.

Weitere interessante Inhalte finden Sie unten.

Beitrag teilen