Verkehr in Zahlen

Dauerbrenner Auto

Die meisten Deutschen, die regelmäßig Auto fahren, können sich vorstellen, künftig häufiger zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren. Wichtigste Bedingung: kurze Wege. Städte bieten dafür ideale Voraussetzungen, müssen aber auch die Infrastruktur entsprechend ausbauen – mit einem lückenlosen Netz aus sicheren, komfortablen und attraktiven Fuß- und Radwegen, Carsharing sowie öffentlichem Nahverkehr.

Noch nimmt ein Verkehrsmittel in jeder Stadt den meisten Raum ein: das Auto. Immer mehr davon finden sich im Straßenverkehr, stauen sich so an den Kreuzungen, verunreinigen die Luft und sind doch mit das liebste Fortbewegungsmittel der Deutschen. Diese Autos transportieren durchschnittlich 1,5 Personen pro Fahrt und stehen 23 Stunden am Tag ungenutzt herum.

Deshalb bemühen sich viele Städte – nicht nur in Deutschland – um alternative Angebote. Mit Erfolg: In Berlin kommen (Stand 02/2020) bereits 43,3 Prozent der Haushalte ohne Pkw aus. In Kopenhagen ist der Anteil des Fahrrads an den Fahrten zur Arbeit und zu Bildungseinrichtungen innerhalb der Stadt auf 49 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Und in Wien nahm der Anteil des öffentlichen Verkehrs an den gewählten Fortbewegungsmitteln seit 1993 um bemerkenswerte 9 Prozent zu.

Weniger Emissionen

Auf dem Weg zum Klimaziel

Der Umstieg auf das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel hilft auch dem Klima, denn Autos sind für einen großen Teil der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. 2019 lagen die Treibhausgas-Emissionen im Verkehr bei 164 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (Einheit für das Treibhauspotenzial eines Gases – sie zeigt, welche Menge eines Gases in einem Betrachtungszeitraum von 100 Jahren die gleiche Treibhauswirkung entfalten würde wie CO2).

Das 2019 in Kraft getretene Klimaschutzgesetz sieht daher vor, die Treibhausgas-Emissionen im Verkehr bis zum Jahr 2030 um 42 bis 40 Prozent gegenüber den Werten von 1990 zu reduzieren. Dies bedeutet eine Reduktion von 164 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 1990 auf rund 95 Millionen Tonnen im Jahr 2030.

Die Treibhausgas-Emissionen im Verkehr können nur verringert werden, wenn wir umdenken. Verbrennungsmotoren durch alternative Antriebe zu ersetzen, ist ein erster Schritt, reicht aber zum Erreichen der Klimaziele nicht aus. Siedlungsentwicklung und Verkehrsplanung müssen sich am Leitbild der „Stadt und Region der kurzen Wege“ orientieren.

Vor allem in Städten heißt das: Zentren stärken, den öffentlichen Personennahverkehr und Sharing-Angebote ausbauen, Autostraßen in Flächen für den Rad- und Fußverkehr umwidmen, den Menschen stärker in den Mittelpunkt rücken. Und damit Anreize bieten, auf das private Auto zu verzichten. So werden nicht nur die Emissionen reduziert, sondern wir gewinnen auch mehr Platz in der Stadt, verbringen weniger Zeit im Stau und kommen alle zügig voran.

Bessere Angebote

Gut vernetzt in Stadt und Region

Was müssen klimafreundliche Verkehrsmittel bieten, damit mehr Menschen umsteigen? Das eigene Auto steht immer bereit und bringt die Besitzer*innen von A nach B, ohne dass viel zu organisieren ist. Sind aber attraktive Alternativen verfügbar, die schnell, komfortabel und sogar billiger sind, werden sie auch häufiger genutzt.

Zwar lässt sich schon heute die passende Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht online herausfinden. Doch das allein reicht nicht. Oft fehlen noch sichere, überdachte und ebenerdige Fahrradstellplätze am Startpunkt, wie etwa an Mehrfamilienhäusern oder Wohnanlagen, aber auch an Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen. Am Start- und Ankunftsbahnhof wäre ein Leihfahrrad oder ein Carsharing-Angebot hilfreich und das Gepäck sollte gut transportiert und aufbewahrt werden können. Zudem ist Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge an zentralen Umstiegspunkten notwendig, um E-Mobilität zu fördern.

Das Ziel ist eine entspannte multimodale Mobilität, also die reibungslose Nutzung verschiedener Verkehrsmittel auf einem Weg. Dafür bedarf es entsprechender Mobilitätsstationen an Umsteigepunkten, die verschiedene Verkehrsmittel bündeln und den Wechsel einfach gestalten. Eine App auf dem Smartphone kann dabei helfen, für jede individuelle Route spontan und effizient die richtigen Angebote zu kombinieren – vorausgesetzt, die verschiedenen Verkehrsarten sind entsprechend vernetzt.

Die Illustration zeigt mögliche Angebote einer Mobilitätsstation: ein Bahnhof neben einer Bushaltestelle und einer U-, S- oder Straßenbahnstation, mit Parkplätzen und überdachten Fahrradstellplätzen mit Ladestation, Kurzzeit-Stellflächen zur Bildung von Fahrgemeinschaften sowie Stellplätzen für Carsharing.
Die Illustration zeigt mögliche Angebote einer Mobilitätsstation: ein Bahnhof neben einer Bushaltestelle und einer U-, S- oder Straßenbahnstation, mit Parkplätzen und überdachten Fahrradstellplätzen mit Ladestation, Kurzzeit-Stellflächen zur Bildung von Fahrgemeinschaften sowie Stellplätzen für Carsharing.

Neue Wege

Umdenken, Ausprobieren, Gewinnen

Doch auch ohne Mobilitätsstation kann jede und jeder Einzelne bereits jetzt zur entspannteren Fortbewegung in der Stadt beitragen. Zum Beispiel nutzen wir für fast die Hälfte unserer Wege bis fünf Kilometer das Auto. Solche Strecken lassen sich in der Regel gut mit dem Fahrrad zurücklegen. Entfernungen bis 15 Kilometer können komfortabel mit Pedelec oder E-Bike bewältigt werden. Selbst für größere Einkäufe per Rad bieten Gepäckträger-Taschen und Lastenräder gute Transportmöglichkeiten. Auf dem Weg zur Arbeit laden Bus und Bahn zum Zeitunglesen und Smartphonenutzen ein, ersparen Stau und Parkplatzsuche.

Nur, wenn auch alternative Fortbewegungsmöglichkeiten genutzt werden, kann die Mobilität der Zukunft für uns sinnvoll und angenehm gestaltet werden.

Soziale Gerechtigkeit

Haushalte mit hohen Einkommen fahren mehr Auto und verursachen mehr Treibhausgase pro Kopf als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sozial schwächere Gruppen, ältere Menschen und Kinder haben seltener oder gar kein Auto und sind stärker auf andere Angebote angewiesen. Umso wichtiger ist es, barrierefreie und sichere Mobilität für alle zu ermöglichen: zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV.

Gezielte Unterstützung

Forschen, Fördern, Lenken

Das Bundesumweltministerium fördert Forschung und Projekte, die die Mobilität in der Stadt verbessern sollen. Das Umweltbundesamt beschreibt in einer Publikation von 2017 die „Stadt für Morgen“ als lärmarm, grün, kompakt und durchmischt. Wesentliche Bestandteile sind gut ausgebaute Rad- und Fußwege sowie öffentliche Verkehrsmittel für eine umweltfreundliche, emissionsfreie Mobilität. Sie sind wichtig, um das Ziel der Treibhausgasneutralität 2050 erreichen.

Auch die Digitalisierung kann dabei helfen, weniger Treibhausgase im Verkehr auszustoßen. Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) fördert das Bundesumweltministerium die Kommunen bei der Beschaffung und Nutzung von Daten zur intelligenten Verkehrssteuerung und Treibhausgasminderung. Das Bundesumweltministerium setzt sich mit vielfältigen Maßnahmen dafür ein, in den Kommunen das nötige Know-how für die Digitalisierung mit dem Ziel einer nachhaltigen Verkehrswende aufzubauen:

  • Der Wettbewerb „Zukunft einer nachhaltigen Mobilität für Umwelt- und Klimaschutz“ unterstützt Kommunen bei einer digitalisierten, partizipativen Verkehrsplanung.

  • Über ein kommunales Netzwerk für eine nachhaltige digitale Verkehrswende sollen Erfahrungen zur Nachhaltigkeit digitaler Verkehrskonzepte ausgetauscht werden.

  • Die Projektförderung zur „Digitalisierung im Verkehr in urbanen Räumen Asiens oder Lateinamerikas“ soll die Reduktion von Treibhausgas-Emissionen international unterstützen.

  • Konkrete Handlungsempfehlungen erleichtern es, rechtliche, wirtschaftliche und staatliche Mittel für eine umweltfreundliche Digitalisierung im Verkehr zu nutzen.

  • Für Fahrgemeinschaften und Personensammelbeförderung (Ridesharing und -pooling) sowie Steuerungsmöglichkeiten der Kommunen sollen rechtliche Grundlagen geschaffen werden.

Innovationspotenzial

Elektrische Oberleitungen für Lkw, Wasserstoff-Antriebe und Power-to-X-Technologien schaffen Alternativen zu bisherigen Antrieben weit über den städtischen Verkehr hinaus. Das Bundesumweltministerium unterstützt die Erforschung dieser Technologien und fördert entsprechende Pilotprojekte, um erneuerbare Energien im Verkehr besser zu nutzen.

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