Bedeutung

Fleißig wie die Bienen

Fast drei Viertel aller Tierarten in Deutschland sind Insekten. Sie bestäuben Pflanzen, fressen „Schädlinge“, reinigen Gewässer und zersetzen organisches Material. So erhalten sie die Bodenfruchtbarkeit und den Nährstoffkreislauf. An Land haben Insekten neben uns Menschen den größten Einfluss auf Lebensräume wie Grasland oder Ackerflächen. Außerdem sind sie Nahrung für andere Insekten, Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien und Amphibien.

Insekten spielen eine zentrale Rolle für den Anbau von und unsere Versorgung mit Lebensmitteln, denn viele unserer Nutzpflanzen müssen von ihnen bestäubt werden. Dies übernehmen nicht nur die über 560 hier lebenden Wildbienenarten, sondern auch viele Fliegenarten sowie Schmetterlinge, Wespen und Käfer. Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung hängen daher stark von Insekten ab.

Insektenschwund

Vom Aussterben bedroht

Die Gesamtmenge der Insekten wie auch ihre Artenvielfalt gehen dramatisch zurück. Das Insektensterben ist kein lokales oder regionales Phänomen. Es geschieht überall im Land. Selbst in Schutzgebieten ist die Biomasse der Fluginsekten zwischen 1989 und 2016 um 76 Prozent, in den Sommermonaten sogar um 82 Prozent gesunken. Entsprechend der Roten Liste sind von den in Deutschland lebenden Bienenarten 41 Prozent in ihrem Bestand gefährdet.

Digitalisierung

Um wirksam gegen das Insektensterben vorzugehen, ist eine gute Wissensbasis nötig. Mit einem konsequenten und bundesweit einheitlichen Monitoring können sowohl der Zustand als auch die Veränderung von Insektenbeständen erfasst und quantifiziert werden. Auf dieser Grundlage kann dann der Erfolg von Maßnahmen zum Insektenschutz kontrolliert werden. Das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ der Bundesregierung sieht dafür u. a. die Weiterentwicklung von Technologien für das Insektenmonitoring und IT-gestützten Erfassungstools vor. Das langfristig angelegte Insektenmonitoring wird schrittweise aufgebaut, wodurch regelmäßig bundesweit repräsentative Angaben zum Zustand und zur Entwicklung der Insektenwelt bereitstehen.

Ursachen

Schwindende Lebensräume

Insekten leben an und in Gewässern, auf Wiesen, Weiden, Äckern, in Wäldern und Siedlungen, soweit sie dort Nahrung und Nistplätze finden – zum Beispiel in Form von blühenden Pflanzen und Totholz. Zwar sind die Ursachen des Insektenrückgangs vielfältig und insgesamt komplex, jedoch sind die zentralen Ursachen bereits heute wissenschaftlich hinreichend belegt. U. a. führt die immer intensivere Bewirtschaftung von Wäldern, Feldern und Wiesen dazu, dass weniger Nahrung und Nistplätze für Insekten zur Verfügung stehen.

So sank der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche mit hohem Naturwert, das heißt mit großer biologischer Vielfalt, von 5,6 Prozent im Jahr 2009 auf 5,2 Prozent im Jahr 2017. Und von den 75 bekannten Grünlandbiotoptypen – das sind verschiedene Arten von Wiesen und Weiden – stuft die Rote Liste 83 Prozent als gefährdet ein. Zudem dehnen sich Siedlungs- und Verkehrsflächen immer mehr aus, und es werden zu viele Herbizide und andere Pestizide verwendet. Die zunehmende Lichtverschmutzung in Siedlungsgebieten entzieht wie ein Staubsauger die Insekten ihren natürlichen Lebensräumen, und durch veränderte Blühzeiten aufgrund des Klimawandels kann es ihnen an Nahrung fehlen.

Besondere Chancen

Neben anderen Faktoren hilft auch eine größere Vielfalt an Kulturpflanzen, dass sich Insekten besser verbreiten können. Blühstreifen, Mischkulturen, blühende Untersaaten oder begrünte Brachen helfen Insekten, die wir Menschen als für uns nützlich bewerten. Insekten kontrollieren als Räuber oder Parasitoide ihrerseits aus menschlicher Sicht lästige oder schädliche Insekten, was wiederum den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln senken könnte. Nur wenige Insektenarten verursachen Ernteschäden, und diese werden häufig von anderen Insekten gefressen.

Auswirkungen

Weniger Vögel, weniger Obst

40 Prozent der in Deutschland brütenden Vogelarten ernähren sich von Insekten und Spinnentieren. Insektenschwund bedeutet also auch weniger Vögel. Aber er wirkt nicht nur auf die Natur, sondern auch auf uns Menschen. Ohne Insektenbestäubung hätten wir bis zu 65 Prozent weniger Obst, Beeren und Gurken. Bei einigen Gemüsekulturen gäbe es sogar bis zu 95 Prozent weniger Ernte. Zudem entwickeln Blüten, die von wildlebenden Insekten besucht werden, deutlich mehr Früchte als ausschließlich von Honigbienen bestäubte Blüten.

Kirsche

62 Prozent weniger Kirschen gäbe es, wenn die Honigbienen sie nicht bestäuben würden.

Erdbeere

Ohne Bestäubung durch Honigbienen könnten wir 27,5 Prozent weniger Erdbeeren ernten.

Apfel

Ohne Bestäubung durch Honigbienen gäbe es bis zu 63,5 Prozent weniger Äpfel.

Schutzmöglichkeiten

Mehr Unterstützung, mehr Blüten, mehr Insekten

Über die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Umso wichtiger ist es, Insekten dort vielfältige Lebensräume zu bieten. Wie unterschiedlich selbst intensiv genutzte Flächen aussehen können, zeigt die folgende Grafik.

Intensive landwirtschaftliche Nutzung
Blühstreifen, -fläche
Extensiv bewirtschaftete Grünfläche als Insektenkorridor
Naturschutzfläche, Lebensräume
BMU_Story_Insektenschutz_SCRIBBLE_5_Lebensräume-Slider_LEGEND-Wege (1)
Wege
BMU_Story_Insektenschutz_SCRIBBLE_5_Lebensräume-Slider_LEGEND-Insekten
Insekten

Nutzung mit Naturmanagement

Flächendeckende intensive Nutzung

Das BMU will Landwirtschaft und Insektenschutz enger zusammenbringen. Dazu müssen Umwelt- und Naturschutzleistungen der Landwirt*innen besser entlohnt werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU soll dafür mehr Geld bereitstellen. Zudem setzt sich das BMU mithilfe des „Aktionsprogramms Insektenschutz“ der Bundesregierung für verbesserte Lebensbedingungen für Insekten ein. Wichtige Maßnahmen sind:

  • Ein Insektenschutz-Gesetz mit verbindlichen Vorgaben durch Änderungen in Naturschutz- und Wasserrecht
  • 100 Millionen Euro mehr pro Jahr für Insektenschutz und Insektenforschung
  • Lebensräume von Insekten schützen und wiederherstellen, in allen Landschaftsbereichen und in der Stadt, zum Beispiel im Wettbewerb Naturstadt
  • Pestizide nur noch umwelt- und naturverträglich anwenden
  • Staubsaugereffekt durch Licht eindämmen, sodass nachtaktive Insekten nicht von künstlichen Lichtquellen angelockt werden und dort sterben
  • Gesellschaftliches Engagement für Insekten fördern und unterstützen

Nicht nur Landwirtschaft und Politik können Insekten schützen. Das geht auch auf jedem Balkon und im eigenen Garten. Mehr Blüten helfen den Insekten – vorausgesetzt, die Auswahl stimmt. Viele Wildbienenarten und andere Insekten sind Spezialisten und auf ganz bestimmte Nahrungspflanzen angewiesen. Wer Insekten unterstützen möchte, kann dies mit der richtigen Pflanzenauswahl auch in Blumentöpfen und Hausgärten tun. Das BMU gibt Tipps zum insektenfreundlichen Gärtnern.

Besondere Chancen

Für mehr Lebensqualität und mehr biologische Vielfalt in allen Städten initiierte die Bundesregierung einen deutschlandweiten „Masterplan Stadtnatur“. Das BMU fördert in diesem Rahmen unter anderem den Wettbewerb „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“ für mehr Stadtnatur und Insektenschutz. Die 40 besten zukunftsträchtigen Projektideen erhalten je 25.000 Euro.

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