Bestandsaufnahme

Erste Erfolge der Energiewende

Deutschland hat seine Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien noch einmal deutlich geschärft – auch vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine: Mindestens 80 Prozent soll der Anteil erneuerbarer Energie am deutschen Bruttostromverbrauch bis 2030 betragen, 100 Prozent bis 2035. Ab 2045 will Deutschland treibhausgasneutral sein. Auf dem Weg zu den Erneuerbaren ist Deutschland bereits viele Schritte gegangen:

Zentrales Instrument war zunächst das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2000. Wer ein Windrad oder eine Solaranlage betrieb oder aus Geothermie oder Biomasse Strom erzeugte und den Strom ins Netz einspeiste, bekam über einen Zeitraum von 20 Jahren für jede Kilowattstunde eine gesetzlich festgelegte Vergütung.

Einen Wechsel dieses Systems brachte das EEG 2017: Statt des Staates bestimmte nun der Markt durch Ausschreibungen, wie viel es für den erneuerbaren Strom gab: Erneuerbarer Strom wurde nicht mehr fest, sondern in der Höhe vergütet, die für den wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen nötig war. Das förderte den Wettbewerb zwischen Anlagenbetreibern und hielt die Kosten des Erneuerbaren-Ausbaus gering.

Der Erfolg dieser Maßnahmen macht sich bemerkbar: Bis 2021 stieg der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland auf über 40 Prozent.

Perspektiven

Booster für die Erneuerbaren

Im April 2022 dann hat das Bundeskabinett – auch unter dem Eindruck des Ukrainekriegs – das sogenannte „Osterpaket“ verabschiedet. Und damit die größte energiepolitische Gesetzesnovelle seit Jahrzehnten. Das Ziel: der beschleunigte und konsequente Ausbau erneuerbarer Energien. Für mehr Klimaschutz und mehr Sicherheit.

Die wichtigsten Ziele der EEG-Novelle sind:

  • Bis 2030 mindestens 80 Prozent des Bruttostroms aus erneuerbaren Energien
  • Bis 2035 nahezu treibhausgasneutrale Stromerzeugung
  • Klimaerwärmung auf 1,5°C begrenzen
  • Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern

 

Diese Maßnahmen helfen, die Ziele zu erreichen:

  • Finanzielle Entlastung von Haushalten und Unternehmen
  • Ausbaupfade für Wind- und Solarenergie erhöhen
  • Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • Finanzielle Beteiligung der Kommunen weiterentwickeln

Mit diesem Paket soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt fast verdoppelt und die Geschwindigkeit beim Ausbau der Erneuerbaren verdreifacht werden – zu Wasser, zu Land, auf dem Dach.

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist zudem wichtig, wie hoch unser Energiebedarf ist und wie effizient wir die Energie nutzen, die uns zur Verfügung steht. Dass Deutschland auch hier auf einem guten Weg ist, zeigt die folgende Grafik.

Herausforderung

Energieversorgung im Wandel

Die Energiewende ist ein grundlegender Systemwechsel mit Blick darauf, wie Strom produziert und bereitgestellt wird: Es wird keine unablässig laufenden Kraftwerke auf Basis von fossilen Energieträgern oder Uran mehr geben.

Stattdessen wird eine Vielzahl von Quellen erneuerbarer Energien zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlichem Umfang Strom zur Verfügung stellen. Sonne und Wind stehen unbegrenzt zur Verfügung, um Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen zu Land und zu Wasser, auf Dächern, Seen oder sogar Mooren zu betreiben. Allerdings bleiben die naturverträglichen Möglichkeiten, die Anlagen aufzustellen, begrenzt.

Eine wichtige Rolle bei der Nutzung erneuerbarer Energien spielen ein gut ausgebautes europäisches Stromnetz, das intelligente Management von Angebot und Nachfrage sowie Stromspeicher. Sie sorgen dafür, dass die Versorgung sicher ist – auch wenn erneuerbare Energien nicht immer gleichbleibend verfügbar sind. Und sollte es einmal eng werden, kommen Gaskraftwerke auf Basis von Wasserstoff zum Einsatz, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Sie können bei Bedarf schnell hoch- und runtergefahren werden.

Umweltschutz

Naturverträglicher Ausbau

Zwar nehmen die Umweltbelastungen aus fossiler Energie mit der Energiewende insgesamt deutlich ab. Gleichzeitig greift der Ausbau erneuerbarer Energien jedoch in Natur und Umwelt ein. Die Bundesregierung setzt sich für einen naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien ein.

Beispielsweise berät und vermittelt das vom Bundesumweltministerium gegründete Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) zwischen den Akteuren vor Ort. Gesetzliche Regelungen stellen sicher, dass beim Ausbau von Energieerzeugungsanlagen der Schutz betroffener Landschaften und gefährdeter Arten geprüft und berücksichtigt werden.

Auch mit Blick auf den im April 2022 beschlossenen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und den damit verbundenen Ausbau von Windkraftanlagen ist wichtig, den Artenschutz nicht zu vergessen. Beides muss Hand in Hand gehen. Dafür haben sich das Bundesumweltministerium und das Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz auf folgende gemeinsame Eckpunkte geeinigt:

  • Es gibt klare und verbindliche Kriterien, ob eine Windenergieanlage das Tötungs- und Verletzungsrisiko gefährdeter Vögel bedeutend erhöht; sie finden sich zum Beispiel in Listen kollisionsgefährdeter Brutvogelarten oder artspezifischen Schutzmaßnahmen.
  • Für die Genehmigung von Windenergieanlagen an Land werden artenschutzrechtliche Ausnahmen konkretisiert.
  • Der Vogelschutz soll durch nationale Artenhilfsprogramme gestärkt werden. Betreiber von Windenergieanlagen, die eine artenschutzrechtliche Ausnahme beanspruchen, tragen über eine Sonderabgabe zur Finanzierung der nationalen Artenhilfsprogramme bei.
  • Beim sogenannten Repowering, der (Teil-)Erneuerung alter Windkraftanlagen durch moderne, leistungsfähigere Anlagen, wird gesetzlich klargestellt, wie die Vorbelastung durch die bestehenden Windenergieanlage berücksichtigt werden muss; Standortalternativen sind in der Regel nicht zumutbar.
  • Windenergieanlagen sollen verstärkt auch in Landschaftsschutzgebieten errichtet werden können.

Nähere Informationen zum naturverträglichen Ausbau der Windenergie an Land finden Sie in diesem Eckpunkte-Papier.

Besondere Chancen

Gerade ländliche Regionen eignen sich wegen größerer verfügbarer Flächen gut zum Ausbau erneuerbarer Energien. Die vorbereitenden Planungsverfahren berücksichtigen gleichermaßen soziale Interessen und den Natur- und Umweltschutz. Beteiligen sich die Anwohner*innen mit Energiegenossenschaften oder privat betriebenen Mikrowärmenetzen und Photovoltaikanlagen am Ausbau, können sie dreifach profitieren: Sie haben zusätzliche Einnahmen, stabilisieren die Preise für Strom und Wärme und schaffen Arbeitsplätze.

Umsetzung

Alles auf Sauber

Die Klimaziele der Bundesregierung können nur erreicht werden, wenn Strom aus erneuerbaren Energien auch in Bereichen genutzt wird, die bisher nicht Strom, sondern fossile Energieträger wie Kohle oder Erdgas einsetzen: wenn Autos elektrisch fahren statt mit Verbrennungsmotor, wenn in der Industrie Wasserstoff zum Einsatz kommt, der nicht mit Kohle, sondern mit grünem Strom erzeugt wurde, wenn Häuser nicht mit Öl, sondern mit Solarenergie und Wärmepumpen geheizt werden.

So können Sektoren wie Gebäude, Mobilität und Industrie auf Strom aus regenerativen Quellen bzw. auf daraus hergestellte strombasierte erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Damit das funktioniert, unterstützt die Bundesregierung den Ausbau und die Entwicklung entsprechender Technologien wie zum Beispiel die Nutzung von Wasserstoff aus erneuerbarem Strom in der Stahlproduktion.

Die Illustration zeigt einen Baustein der zukünftigen Energielandschaft mit einem Haus. Zwei Hände befestigen Dämmung an der Hausfassade.

Energieeffizienz

Eine sparsame, intelligente Energienutzung, zum Beispiel durch energetische Sanierung und digitale Nachfragesteuerung, ermöglicht Energieeffizienz in Industrie, Verkehr und Gebäuden.

Innovationspotenzial

Für den Fall, dass Strom aus erneuerbaren Energien nicht direkt verwendet wird, kann dieser genutzt werden, um über die sogenannte Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff zu gewinnen. Bei „grünem“ Wasserstoff kommt für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz. So kann der Strom gespeichert und in Form von klimafreundlichem Wasserstoff zum Beispiel für Luftverkehr, Seeverkehr oder die Stahlindustrie nutzbar gemacht werden

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