Atomausstieg

Für mehr Sicherheit

1967 ging in Bayern das erste größere Atomkraftwerk ans Netz. Doch schon in den 1970er-Jahren mehrten sich die Proteste gegen die Atomenergie. Ab 1983 wurden in Deutschland nur noch bereits im Bau befindliche Reaktoren fertiggestellt, aber keine Neubauten mehr in Angriff genommen. 1986 kam es zur Nuklearkatastrophe in Tschernobyl, in deren Folge die Bundesregierung das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gründete.

2002 beschloss Deutschland den schrittweisen Ausstieg aus der Erzeugung von Atomstrom. Nachdem die Abgeordneten des Bundestages acht Jahre später eine umstrittene Laufzeitverlängerung beschlossen hatten, entschieden sie sich nach der nuklearen Katastrophe im japanischen Fukushima in einem breiten parteiübergreifenden Konsens im Sommer 2011 für einen beschleunigten Ausstieg bis spätestens 2022. Kurz davor hatte eine von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission herausgestellt, dass sich Atomkraft durch risikoärmere Technologien ökologisch, wirtschaftlich und sozial verträglich ersetzen lasse.

Durch den schnelleren Atomausstieg fällt weniger radioaktiver Abfall an, das entlastet künftige Generationen. Derzeit werden die Abfälle noch in Zwischenlagern, meist an den Standorten der Kraftwerke, aufbewahrt. Diese Abfälle sind noch nicht in einem endlagerfähigen Zustand.

Für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle wird voraussichtlich ab 2027 das Endlager Konrad in Salzgitter zur Verfügung stehen. Für die hochradioaktiven Abfälle wird derzeit ein Endlagerstandort mit der bestmöglichen Sicherheit gesucht. Diese Suche ist eine Aufgabe, die die Gesellschaft nur gemeinschaftlich lösen kann. Grundlage sind die gesetzlich festgelegten Anforderungen, die für die Standortauswahl eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle gelten.

Vorausschauen

Das Endlager muss einen sicheren Einschluss der hochradioaktiven Abfälle für den Zeitraum von einer Million Jahre gewährleisten. Ob das auf einen bestimmten Bereich zutrifft, wird anhand belastbarer geowissenschaftlicher Informationen bewertet.

Die Illustration zeigt einen Querschnitt durch den Erdboden. Verschiedene Grautöne deuten mehrere Gesteinsschichten an. Unterirdisch ist ein Hohlraum mit Geröll auf dem Boden zu sehen. Über die umgebenden Gesteinsschichten laufen weiße, konzentrische Kreise, deren Mittelpunkt direkt neben dem Hohlraum liegt. Sie deuten eine Erschütterung an, die die Stabilität des Hohlraums gefährdet.

Auswählen

Geologische Daten werden gesammelt und ausgewertet, um etwa die Gefahr von Erdbeben oder großräumigen Bewegungen auszuschließen und zu prüfen, ob die Anforderungen erfüllt werden.

Die Illustration zeigt einen Querschnitt durch den Erdboden. Verschiedene Grautöne deuten mehrere Gesteinsschichten an, durch die sich Risse ziehen. Unter der Oberfläche befindet sich eine Magmakammer.

Ausschließen

Gebiete mit aktivem Vulkanismus oder einer Gebirgsschädigung durch Bergwerke kommen zum Beispiel nicht in Frage.

Kohleausstieg

Von der Industrialisierung bis heute

Förderung und Nutzung von Steinkohle waren seit Beginn der Industrialisierung eng mit der Stahlindustrie und später auch der Energiewirtschaft verbunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Schwerindustrie und damit die Steinkohle für den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. 1957 waren in Deutschland über 600.000 Menschen im Steinkohle-Bergbau beschäftigt.

Allerdings war die Förderung der Steinkohle aus mehr als einem Kilometer Tiefe extrem teuer. Importierte Kohle aus den USA, Russland, Kolumbien oder Australien wurde zunehmend kostengünstiger. In der Folge sank die heimische Steinkohleförderung und auch die Zahl der im Bergbau Beschäftigten seit den 1960er-Jahren stetig. Staatliche Subventionen hielten den deutschen Steinkohle-Bergbau am Leben. So vereinbarten 2007 Bundesregierung, Ruhrkohle AG und Gewerkschaften, den Steinkohle-Bergbau bis 2018 endgültig zu beenden.

Die Braunkohle gewann in Deutschland erst im 20. Jahrhundert an Bedeutung – vor allem infolge der hohen Reparationsleistungen und der Abtretung ganzer Steinkohlegebiete nach dem Ersten Weltkrieg. Noch heute bestehen Braunkohlereviere im Rheinland, Mitteldeutschland und der Lausitz. Nach der Wiedervereinigung, die in den ostdeutschen Kohlerevieren für erheblichen Modernisierungsdruck sorgte, sank die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Braunkohleindustrie jedoch deutlich: von insgesamt über 150.000 Beschäftigten im Jahr 1990 auf etwa 20.000 heute.

Braun- und Steinkohlekraftwerke trugen im Jahr 2019 mit rund 28 Prozent zur deutschen Bruttostromerzeugung bei und waren dabei für den Großteil der Kohlendioxid-Emissionen der deutschen Stromerzeugung verantwortlich. Daneben wurden durch die Kraftwerke auch andere gesundheits- und umweltschädliche Stoffe freigesetzt.

Die Bundesregierung setzte 2018 die „Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (die sogenannte „Kohlekommission“) mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Umweltverbänden, Energiewirtschaft, Industrie, Gewerkschaften und Regionen ein. Ihr Auftrag: einen gemeinsamen Vorschlag zu erarbeiten, wie Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigen und der Übergang in den Kohleregionen erfolgreich gestaltet werden könnte. Das Ergebnis ist der sogenannte Kohlekompromiss, der auf breiter gesellschaftlicher Basis erreicht wurde.

Mit dem Sofort-Programm für die Kohleregionen, dem „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ und dem Gesetz zum Ausstieg aus der Kohleverstromung hat die Bundesregierung diese Vorschläge umgesetzt – und damit den Kohleausstieg Deutschlands bis spätestens 2038 auf den Weg gebracht.

Umstellung

Andere Energiequellen

1990 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung in Deutschland bei 3,6 Prozent. 2020 waren es nach vorläufiger Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen bereits 44,4 Prozent. Ihr Anteil wird weiter steigen, da Deutschland bis zum Jahr 2045 Treibhausgasneutralität anstrebt.

In der Übergangszeit können effizientere und weniger CO2-intensive Gaskraftwerke die Stromversorgung unterstützen. Sie sind flexibler regelbar als Kohlekraftwerke und können daher je nach aktueller Verfügbarkeit von Sonne und Wind betrieben werden. Mit Blick auf die Klimawirkung gilt aber: Bei der Gewinnung von Erdgas entweicht klimaschädigendes Methan in die Atmosphäre. Besonders dann, wenn das Erdgas durch sogenanntes „Fracking“ gewonnen wird. Dadurch kann die gesamte Klimawirkung ähnlich schlecht sein wie bei Kohlekraftwerken.

Digitalisierung

Die Energiewende erfordert ein immer flexibleres Energiesystem. So wird es künftig verstärkt darauf ankommen, das schwankende Angebot erneuerbarer Energien mit der Nachfrage optimal abzustimmen. Hier kann die Digitalisierung einen wichtigen Beitrag leisten, nicht nur um Verbraucher*innen und Energieunternehmen, sondern auch um die verbrauchenden Bereiche untereinander besser zu verknüpfen (Sektorkopplung). Schon heute nutzen Unternehmen zunehmend digitale Lösungen, um die Energiegewinnung, -versorgung und -nutzung intelligent aufeinander abzustimmen.

Strukturwandel

Neue Chancen

Die Umstellung auf eine treibhausgasneutrale und auf erneuerbaren Energien beruhende Stromerzeugung führt zu mehr klima- und umweltfreundlichen Innovationen, die neue Arbeitsplätze und Exportchancen schaffen. Bisher von der Kohle wirtschaftlich geprägte Kommunen müssen aber bei der Umgestaltung unterstützt werden. Dies betrifft vor allem die Braunkohlereviere in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz, das „Rheinische Revier“ westlich von Köln und das „Mitteldeutsche Revier“ bei Leipzig und Halle, aber auch das ehemalige Braunkohlerevier Helmstedt.

Der Bund unterstützt diesen strukturellen Wandel der bisherigen Kohlereviere mit bis zu 40 Milliarden Euro. Zentrale Maßnahmen regelt das „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“. Es enthält auch Eckpunkte, die das BMU vorgelegt hat. Zum Beispiel:

  • Klimafreundliche Industrie
    Das Kompetenzzentrum „Klimaschutz in energieintensiven Industrien“ in Cottbus soll Ideen und Innovationen für eine Industrie ohne Kohle, Öl und Gas entwickeln.

  • Wasserstoffwirtschaft
    Ein „Helmholtz-Cluster für nachhaltige und infrastrukturkompatible Wasserstoffwirtschaft“ in Jülich soll mit organischen Wasserstoffträgern arbeiten und umfangreiche industrielle Aktivitäten im Bereich Wasserstoff und Energie ermöglichen.

  • Modellregion Gesundheit
    Ein „Innovationszentrum Universitätsmedizin Cottbus“ soll als Kern der Modellregion Gesundheit Lausitz aufgebaut werden. Forschung, Lehre und Versorgung werden hier verknüpft und in einem „Reallabor“ für digitale Gesundheitsversorgung umgesetzt.

  • Infrastruktur und Forschung
    Weitere Projekte umfassen den Ausbau der Infrastruktur für den Schienen- und Straßenverkehr, die Ansiedlung und Verstärkung von Forschungseinrichtungen sowie die umfassende Unterstützung von Förderprogrammen.

  • Finanzielle Unterstützung
    Zur Entlastung der Beschäftigten in Braunkohle-Kraftwerken und -Tagebauen sowie in Steinkohle-Kraftwerken ergänzt ein Anpassungsgeld bis 2043 das bereits für den Steinkohle-Bergbau existierende Anpassungsgeld.

  • Tourismus
    In ehemaligen Tagebaugebieten entstehen neue Seenlandschaften. Die Braunkohlesanierung bietet neue Beschäftigungsmöglichkeiten und kann als Region für Freizeit, Erholung und Tourismus an Attraktivität gewinnen.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Dann teilen Sie ihn gern.

Weitere interessante Inhalte finden Sie unten.

Beitrag teilen